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Flaute, Gewitterfront & Slalom durch die VTGs: Schlüssel und Löwe bei der Robbe & Berking Zubringerregatta


Beide Vereinsboote vor Helgoland.
Beide Vereinsboote vor Helgoland.

Gegen Nachmittag erblicken wir am Freitag, den 18. Juli, die vertrauten roten Felsen von Helgoland. Wenig später machen wir die „Löwe von Bremen“ am Steg fest und setzen erstmal einen Tee auf. Die uns so bekannte Route nach Helgoland ist an diesem Wochenende nur die notwendige Überführung für den Beginn unseres größeren Sommerprojekts: Am Samstagmittag werden wir gemeinsam mit der Crew der „Schlüssel von Bremen“ zur Robbe & Berking German Offshore Trophy mit Ziel in Cherbourg starten, die wir gleichzeitig als Zubringerregatta zum Fastnet Race 2025 nutzen. Auf der Löwe hat sich, wie bereits zum Fastnet Race 2023,eine Jugendcrew zusammengefunden, geskippert von Frederick Nabor. Und auch auf der Schlüssel, geskippert von Gerd Krokat und Okke Müller-Röhlck, sind sechs Seglerinnen und Segler aus der SKWB-Jugend vertreten. Am Vorabend der Regatta lädt uns die Crew der Schlüssel zum Chili-Essen ein und wir tauschen uns noch etwas aus.

 

Am Samstagmorgen folgen das Skipper’s Brief und die letzten Navigationsvorbereitungen. Die Route startet auf Helgoland und endet vor dem Hafen von Cherbourg in Frankreich. Dazwischen gibt es keine weiteren Wegmarken, jedoch dürfen die zahlreichen Verkehrstrennungsgebiete (VTG) nicht durchsegelt werden, was die Crews vor einen regelrechten VTG-Slalom stellt. Die Hauptentscheidung müssen die Crews direkt zu Beginn treffen: Eine Option ist von Helgoland aus nach Steuerbord abzubiegen und nördlich am VTG „German Bight Western Approach“ entlangzusegeln. Die andere Option ist, von Helgoland zunächst südlich zu segeln und sich an den ostfriesischen Inseln und damit südlich von den VTGs entlangzuhangeln. Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile. Die nördliche Route soll für die ersten 1,5 Tage stärkeren Wind mit sich bringen, prognostiziert aber nach dem Einschlagen nach Süden eine direkte Kreuz. Die südliche Variante ist 40sm kürzer, allerdings ist für den Sonntag ein Flautenloch an der niederländischen Küste vorhergesagt. Die Durchquerung des Englischen Kanals nach Dover wiederum soll ein Anlieger werden.

 

Am Samstag um 11:30 Uhr fällt der Startschuss bei sonnigen 10-15kn Wind. Beide Boote setzen den FH0. Wenig später wird klar, dass die beiden Crews unterschiedliche Strategien wählen: Die Schlüssel zieht den asymmetrischen Spi und biegt nach Norden ab, mit der Löwe halten wir uns auf einem südlichen Kurs. Entsprechend schwierig wird die gegenseitige Verfolgung während der ersten zwei Tage. Erst ab Dover werden wir wissen, welche Strategie die Nase vorn haben wird. Nach einem traumhaften Genni-Kurs am Samstagabend erwischt uns auf der Löwe am Sonntag die Flaute vor Terschelling. Wie wir später erfahren, genießt die Schlüssel zu diesem Zeitpunkt noch ein paar Knoten mehr Wind. Wir taumeln auf den leichten Wellen durch den Tag, bleiben aber stets aufmerksam, da die Shipping Forecast „occasional thunderstorms with poor visibility“ vorhersagt. Und dann kommt genau das – ein plötzlicher Winddreher, dunkle Front und für 10min Platzregen und Sturm. Wir bergen schnell das Großsegel und halten unseren Kurs nur unter Fock, bis die Front vorüberzieht. Danach natürlich wieder Flaute, allerdings nur noch für ein paar Stunden bis am Abend schließlich die ersehnte Brise einsetzt.


Abwechslungsreiche Bedingungen (v.l.n.r.): auf der Kreuz vor Dover, toller Sonnenuntergang mitten auf dem Englischen Kanal & Platzregen während der Gewitterfront.
Abwechslungsreiche Bedingungen (v.l.n.r.): auf der Kreuz vor Dover, toller Sonnenuntergang mitten auf dem Englischen Kanal & Platzregen während der Gewitterfront.

Die Kanalüberfahrt wird von 10-20kn begleitet und am Montag erreichen wir die White Cliffs of Dover ein paar Meilen vor der Schlüssel. Bei moderaten Bedingungen setzen wir unseren Kurs entlang der englischen Küste fort, bevor wir vor Brighton erneut Richtung Süden abbiegen. Zu Anfang erwartet uns Gegenstrom, ca. 15kn Wind gegenan und eine wirre, ungeordnete Welle. Unsere Ankunftszeit in Cherbourg prognostizieren die Routings für Mittwoch früh. In den letzten Stunden kippt dann der Strom und drückt uns mit 3kn perfekt in Richtung des Ziels, sodass wir sogar auf die letzten zwei Wenden verzichten können. Wir überqueren die Ziellinie noch in der Dunkelheit und beenden die Robbe & Berking Offshore Trophy mit einer berechneten Zeit von 3 Tagen 20 Stunden 52 Minuten. Die Schlüssel trifft etwas später ein mit einer berechneten Zeit von 4 Tagen 11 Stunden und 3 Minuten.


Nach dem Zieldurchgang machen wir direkt wieder kehrt, um Kurs auf Cowes zu nehmen, wo am folgenden Samstag das Fastnet Race starten wird. Mit Glück schaffen wir es noch pünktlich zum Fish & Chips-Abendessen.


Löwe überquert unter Gennaker die Ziellinie in Cherbourg.
Löwe überquert unter Gennaker die Ziellinie in Cherbourg.

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Die Segelkameradschaft „Das Wappen von Bremen“ ist einer der traditionsreichesten Segelvereine in Deutschland. Spezialisiert auf das Hochseesegeln und die Ausbildung hierzu, spricht die SKWB dabei alle Alters-  sowie Leistungsgruppen des Segelsports an.

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