Fighting the Baltic Sea: Das RORC Baltic Sea Race 2026 auf der Schlüssel von Bremen

Unser Abenteuer Baltic Sea Race beginnt dank unserer Vorcrew bereits in Helsinki. Vor uns liegt in den nächsten 10 Tagen die rund 635 Meilen lange Offshore Regatta, einmal quer durch die zentrale Ostsee. Für unsere Skipperin Stefi ist es - mit Gerd als Supercargo - die Schifferreise in der SKWB. Der Rest der Crew ist ziemlich jung aufgestellt und teilt sich in Segler*innen der letztjährigen „Fastnet Crew“ und erfahrene Regattasegler*innen im inshore Segeln auf. Für einen Teil ist es also die erste Hochseeregatta und echte Langstrecke auf See.
Segeln im August? Das hatten wir uns eigentlich recht entspannt vorgestellt: ein bisschen Regatta, ein bisschen Cruising, zwischendurch vielleicht sogar Zeit zum Genießen bei sommerlichen Bedingungen. Spätestens beim Skipperbriefing wird allerdings klar, dass die Ostsee andere Pläne mit uns vorhat. Die Wettervorhersage verspricht ordentlich Wind aus Nord und die Ostsee will sich in den kommenden Tagen eher von ihrer stürmischen Seite zeigen. Immerhin können wir damit eine unserer Sorgen direkt von der Liste streichen: zu wenig Wind werden wir wohl nicht haben. Bevor es losgehen kann, beginnt unser Urlaub aber mit Boatwork: Ausstauen, kleine Reparaturen und das Boot klar machen für die kommenden Seemeilen. Außerdem überrascht das Baltic Sea Race mit einer Eröffnungs-veranstaltung am Donnerstagabend im wunderschönen historischen Rathaus.
Und dann sind wir mittendrin: Direkt nach dem Start segeln wir zunächst noch mit den anderen Booten durch die finnische Schärenwelt. Zwischen den vielen kleinen Inseln (und Steinen) bleibt das Feld eng zusammen. Wir hangeln uns von Bahnmarke zu Bahnmarke in Richtung Leuchtturm von Helsinki. Die SW-liche Windrichtung beschert uns allerdings gleich zu Beginn mit einer ordentlichen Kreuz und so lösen wir uns langsam von der Gruppe während wir aus dem Golf von Helsinki segeln.

Am Samstagnachmittag nehmen wir Kurs auf die nächste Bahnmarke: der Leuchtturm „Almagrundet“ vor Stockholm. Es wird etwa einen Tag dauern, bis wir diesen erreichen. Es werden noch entspannt Nudeln mit Pilzsoße gekocht - wie sich später herausstellen sollte, für einen Teil der Crew erstmal die letzte richtige Mahlzeit. Auch am Sonntag bleibt uns der Südwestwind erhalten und frischt im Laufe des Vormittags auf rund 25 Knoten auf. Mehr als der Wind macht uns allerdings die kurze und sehr steile Ostseewelle zu schaffen. Das Boot stampft sich durch die Wellen - Immer wieder scheppert es laut durchs Schiff. Selbst für die geübtesten Rudergänger ist die Welle kaum auszusteuern. Das bleibt auch für die Mägen der Crew nicht ohne Folgen. Im Laufe der nächsten Stunde kämpft jeder mindestens einmal mit Seekrankheit. Gute Hausmänner päppelten aber jeden wieder auf und so arbeiten wir uns weiter durch die Ostsee, bis wir schließlich in der Nachtwache von Sonntag auf Montag den Leuchtturm Almagrundet runden.
Am Montagmorgen nimmt der Wind ab, die Welle beruhigt sich nahe der Küste und wir nehmen Kurs Richtung Gotland. In der Zwischenzeit haben wir einen „Buddy“ gefunden: ein anderes Boot namens Bianco. Er wird bis zum Ende des Rennens an unserer Seite bleiben. Die schwedische Küste beschert uns nach zwei Tagen auf See endlich wieder mit Handynetz – und natürlich sind wir neugierig und müssen sofort einen Blick auf den Race Tracker werfen. Ein anderes Boot hatten wir schon lange nicht mehr auf dem AIS gesehen. Nur die Bianco, die war irgendwie immer da.
„Es sind nur noch sechs Schiffe im Rennen – und nur noch vier in unserer Wertung!“ Als diese Nachricht zum ersten Mal durchs Schiff geht, können wir es kaum glauben. Alle anderen 18 Schiffe haben das Rennen inzwischen aufgegeben. Damit war klar: Wenn wir uns und das Boot heil ins Ziel bringen, ist uns ein Podiumsplatz sicher. Natürlich hatten die letzten Stunden uns auch einiges an Kraft gekostet, aber inzwischen war die gesamte Crew wieder fit, wir hatten keine Schäden am Boot oder Material und konnten weitersegeln. Vielleicht nicht immer mit der Performance, die wir uns gewünscht hätten – aber einen Grund, das Rennen abzubrechen, hatte es für uns zu keinem Zeitpunkt gegeben. Und jetzt erst recht nicht. Wir sind voller neuem Ehrgeiz uns müssen nur noch ins Ziel kommen.
Die Ruhe währt allerdings nur kurz, denn in der Nacht von Montag auf Dienstag wartet kurz vor der Südspitze Gotlands bereits der nächste Starkwind auf uns. Um 04:25 Uhr erreichen wir den südlichsten Punkt der Regatta – und bekommen dort noch einmal das volle Ostseeprogramm geboten. Das Logbuch vermerkt: 29 Knoten (W), Reff 2, Staysail. Am Morgen ist der Spuk vorbei und das Wetter beruhigt sich langsam. Das Race Committee schickt derweil weitere Wetterwarnungen: „Heavy winds, strong sea, be careful guys...“ Den halben Dienstag halten wir uns deshalb noch dicht an der Küste Gotlands, um dem großen nahenden Starkwindfeld aus Norden möglichst aus dem Weg zu gehen. Am Nachmittag nehmen wir dann schließlich Kurs auf den Leuchtturm von Helsinki.

Am Mittwoch zeigt uns die Ostsee dann noch einmal ihre andere Seite. Wir können bei Sonnenschein unseren neuen A2 setzen, wechseln später auf den A4. Endlich das „Nice Sailing“, dass wir uns zu Beginn der Reise vorgestellt hatten! Um 19:30 Uhr passieren wir endlich wieder den Leuchtturm von Helsinki. Ab dort kreuzen wir die letzten Meter durch
das Fahrwasser. Während so langsam die Sonne untergeht und wir zwischen den kleinen Inseln und Steinen Richtung Ziel segeln beschert uns der Himmel mit einer Sonnenfinsternis. Nach den anstrengenden Tagen zuvor ist das einer dieser Augenblicke, die uns daran erinnern, warum wir diesen Sport so lieben. Und auch unseren Hochsee-Neulingen wurde spätestens hier klar, warum man all die Strapazen freiwillig auf sich nimmt.
Um 21:50 Uhr ist es dann geschafft: Nach 4 Tagen, 9 Stunden und 32 Minuten überqueren wir die Ziellinie. Durch Sprechfunk erhalten wir die Nachricht, dass auch der Schlüssel von Bremen das Baltic Sea Race 2026 beendet hat. Direkt am Steg werden wir bereits vom Regattakomitee und vielen anderen Seglern erwartet, die uns herzlich in Empfang nehmen und gemeinsam mit uns die erfolgreiche Ankunft feiern. Zur Feier des Tages wird Stefi außerdem noch zum Baden ins Hafenbecken geschmissen – denn Sie hat ihre erste Regatta als Skipperin mit Bravour gemeistert.

Zum Abschluss lädt das Baltic Sea Race noch zu einem tollen Abendessen mit anschließender Preiszeremonie ein. Unsere Crew gewinnt mit dem Schlüssel von Bremen für ihre Leistungen Beim Baltic Sea Race 2026 den 3. Platz in IRC 1. Außerdem gewinnt unsere Crew die „Youth Trophy“ für die jüngste erfolgreiche Crew.
Vielen Dank an alle Crewmitglieder und unterstützenden Personen! Auch wenn wir eine bunt zusammengewürfelte Crew aus Nord- und Süddeutschland waren sind wir schnell zu einem sehr guten Team zusammengewachsen und konnten so alle Herausforderungen meistern.

Nach einem kleinen Crewwechsel wird ein Großteil der Crew das Schiff noch zurück nach Kiel segeln.
Text: Fati Dembele, Charlotte Schmidt & Stefanie Krautwald
Bilder: Pepe Korteniemi (RORC-Gallery)





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