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A Coruña - Ja, nein oder vielleicht doch - wer segeln möchte, muss flexibel sein!

Oh je, in diesem Jahr war unsere Reiseplanung nicht leicht: Die Corona Hotspot-Länder wechselten ständig und zudem innerhalb einer Woche! Die Unsicherheit, ob wir überhaupt segeln konnten, ließ Skipper ihre Teilnahme an der Etappenreise sogar ganz absagen. Auch die gesetzlichen Voraussetzungen waren alles andere als klar und ermutigend! Wir dachten schon an Ferien in Bayern!


Nachdem das Umbuchen zwischen Portugal, Spanien und Frankreich schon fast zu unserem täglichen Standardprogramm zählte, landeten doch alle Crewmitglieder mehr, mitunter auch weniger komfortabel, in Spanien, und zwar in A Coruña. Die ursprünglich auf 14 Tage ausgelegte Reise war aufgrund der volatilen Reisebedingungen auf 2 mal 1 Woche aufgesplittet. Drei Crewmitglieder konnten erst später anreisen (u.a. unsere Ärztin Mirjam), mussten dann aber bereits nach einer Woche zurück.



Die Crew


Kaum einer von uns wusste etwas von A Coruña und wir mussten nachschlagen: A Coruña ist eine sehr alte Hafenstadt im äußersten Nordwesten Spaniens. Schlecht zu erreichen - zumindest von Bremen aus -, aber doch Hauptstadt der autonomen Gemeinschaft Galicien. Durch die Lage am Atlantik mit sehr mildem und gleichmäßigem Klima gehört sie zu den niederschlagreichsten und windigsten Gebieten Spaniens.


Die strategisch günstige Lage war immer wieder Anlass kriegerischer Auseinandersetzungen. Phönizier, Kelten und Römer nutzten den naturgeschützten Hafen. So mussten sich die Bürger der Stadt unter anderem auch gegen Sir Francis Drake verteidigen. Unter der unerschrockenen Führung der Metzgersfrau Maria Pita konnte Drake in die Flucht geschlagen werden. Und so wurde die Metzgersfrau zum Freiheitssymbol der Stadt. Viel später wurde A Coruña durch einen sehr blutigen Militärputsch unter Franco zum Zentrum der spanischen Faschisten und Nationalisten.


Wir übernahmen das Schiff im Yachthafen der Marina. Unser Dank gilt Egbert und seiner Crew, die das Wappen in Rekordzeit durch den Englischen Kanal bis Vigo (Lissabon wurde plötzlich Hotspot, da die Delta-Variante dort für 14 Tage Urlaub machte) und dann wieder zurück nach A Coruña gesegelt hatten. Die Crew war allerdings bereits abgereist, hatte das Schiff aber in tadellosem Zustand hinterlassen!


Schon in der Marina herrschte eine sehr lebendige Stimmung. Morgens kamen die Schulkinder und wurden im Segeln, Stand-Up-Paddling, Kanufahren oder Wettschwimmen im Hafen unterrichtet. Sport wird in A Coruña sehr großgeschrieben! A Coruña entpuppte sich als eine großartige Stadt. So wurden auch durch die Kunsthochschule viele junge Menschen angezogen. Überall gab es lebhaftes Treiben auf Plätzen, Cafés, Kneipen, Restaurants – sehr erfrischend nach dem Lockdown in Deutschland. Und es gab kaum ausländische Touristen, denn die Kreuzfahrtschiffe waren ausgeblieben und nur Spanier hatten sich aus dem heißen Madrid an die Küste verholt.


Mit der Verständigung war es allerding nicht leicht. Viele Spanier sprechen kein Englisch und wir dagegen kein Spanisch. Allerdings wurden wir ausnahmslos freundlich und zuvorkommend aufgenommen und die Verständigung war auch ohne Spanischkenntnisse – unter anderem auch aufgrund der unendlichen Geduld unserer Gastgeber – am Ende kein Problem.


Die Stimmung war bestens, als wir den Proviant einkaufen gingen. Die vielen leckeren Köstlichkeiten waren ein Erlebnis für sich: vor allem der legendäre spanische Schinken (Pata Negra), der in aller Ruhe per Hand und geschützt durch einen Kettenhandschuh zugeschnitten wurde. Es gab frischen Fisch, Langusten, Hummer, buntes Obst und Gemüse, soviel auf einmal hatten wir selten gesehen. Auch spanischer Wein für eine Weinprobe an Bord durfte nicht fehlen. Als wir wieder zum Schiff wollten, zeigte sich A Coruña von einer anderen Seite. Es goss in Strömen und hörte auch für die nächste Zeit nicht mehr auf.


Trotzdem liefen wir am nächsten Morgen um 8.00 Uhr aus. Von jetzt an gab der Wind unsere Reiserichtung vor. Er kam fast immer aus Nord-Ost. Merkwürdig war auch, dass er auf dem Windfinder meist mit niedrigen Stärken angekündigt wurde, sich dann aber tatsächlich immer um ein Mehrfaches steigerte. Zum Schluss gewöhnten wir uns daran und schauten nicht mehr so oft nach der Windgeschwindigkeit, wohl aber nach den Richtungsvorhersagen, denn diese entpuppten sich als wirklich verlässlich.


Wir segelten am Herkulesturm, einem Leuchtturm aus der Römerzeit, vorbei nach draußen in die langen Wellen des Atlantiks. Dort begrüßte uns bereits eine frische Brise. Die Küste zeigte sich eher karg und unbewohnt. Ab und zu gab es eine kleine Kapelle in den Bergen. In der Ferne waren Windkraftanlagen zu sehen. Wir wollten das Cabo Ortega umrunden und vielleicht über Nacht nach Gijón segeln.


Doch wir hatten nicht mit dem Wind gerechnet. Er nahm ständig zu, bald auf über 32 Knoten. Die Wellen wurden immer höher. Wir refften und fuhren von der Küste weg weiter auf die offene See hinaus. Sightseeing war vorbei und es wurde ein bisschen ungemütlich. Wie gut, dass es Scopoderm gibt! Und natürlich Menschen, die wirklich nicht seekrank werden. Auch gegen Nachmittag flaute es nicht ab und es begann wieder zu regnen. Wir wollten einen Hafen finden, der tief genug war, um uns aufzunehmen. Laut Seekarte gab es aber zunächst keinen in der Nähe. Wie froh waren wir als Carl schließlich Ribadeo fand! „...und auch bei ablaufendem Wasser können Sie ohne Probleme die Bucht überqueren und unter der großen Brücke durchfahren, …“versicherte der Hafenmeister am Telefon. Selten haben wir uns so über eine Marina gefreut.

Wie weit ist es zur Küste? Ansteuerung Ribadeo


Hatten wir nicht eigentlich einen sonnen Segeltörn gebucht und extra unser schweres Ölzeug zu Hause gelassen! Wir wollten ursprünglich sogar noch eine kleine Fahrradtour entlang des Tejos einflechten, um das Grün der Weinberge zu bewundern! – In Ribadeo trafen wir erstmals Wanderer des Jakobsweges. Völlig erschöpft saßen sie an der Hafenmauer und versuchten ihre Muskeln von Krämpfen zu befreien. Die kleine Stadt liegt direkt am Wanderweg nach Santiago de Compostela, den vor allem Engländer bewandern.


Angesichts des stark anhaltenden Windes wussten wir auch nicht, ob nun Wandern oder Segeln die bessere Option ist. Die junge Mitarbeiterin des Hafenmeisters empfahl uns das Restaurant ihrer Schwägerin zum Langusten- und Hummeressen. Wir genossen einen sehr lustigen Abend, denn Schalentiere zu essen ist nicht so einfach!


Wir segelten schließlich nach A Coruña zurück. Der Wind behielt seine Richtung zwar bei, war aber merklich abgeflaut. Eine Delfinschule begleitete uns ein Stück. Keno konnte einen sehr schönen kleinen Film drehen. Auf der Rückfahrt fassten auch nicht so erfahrene Rudergänger wieder Mut und erprobten ihr Können. Der Atlantik hatte uns Respekt gelehrt!



Auch Rudergehen macht Spaß!


Wieder in A Coruña freuten wir uns auf das Baden im Meer. Es gibt dort sehr schöne Buchten, auch mit feinen Sandstränden, die zu ausgiebigem Schwimmen einladen, geschützt durch den großen Naturhafen, ohne 3m hohe Wellen und Sturm…


Sabine Maywald & Cornelia Maywald

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