Ahoi Kameraden,

heute abend - jetzt ist es 19.00 LT - stehen wir ca. 70 sm vor Norfolk (36 25 N, 75 37 W). Es sieht danach aus, dass wir unser Ziel rechtzeitig am Montag erreichen. Aber auch dieser Meilenstein stand lange auf der Kippe wie so vieles auf dieser Reise.

Die letzte Nacht war nicht nur stockduster, sondern auch durch außergewöhnliche Winddreher am berühmt berüchtigten Cape Hatteras geprägt. So haben wir viele Manöver fahren müssen: Vorsegel rauf, Vorsegel

runter, Reff 2, Reff 3, Vorsegel rauf, Reff 2, Reff 1, Vorsegel runter, usw. usf. In der extremsten Situation sprang die Windstärke von 9 kn auf 33 kn binnen Sekunden. Eine starke Belastung für alle Wachen, zumal dies bei Dauerregen passierte, 22 Std. keine Pause der Dusche von oben.

Doch wie alle Fährnisse auf dieser Reise haben wir auch dies gut überstanden, bis auf einen Brandfinger vom Kaffeekochen und einen eingerissenen Fingernagel vom Segelbergen. Eine gespenstische Situation, bei der die Vorschiffsgang, bizzar ausgeleuchtet durch das grelle Deckslicht versucht, die schlackernde Genua mit wehenden Zeisings zu bergen, immer eine Hand am Seezaun. Und immer dringt Seewasser in Seestiefel und Ölzeugkapuze.

Nun scheint alles überstanden, der Motor schnurrt in der Flaute und die Klamotten trocknen an Deck. Zum Abendessen gibt es Spaghetti mit Tomatensauße und Oliven und dann geht es mit Nebel in die letzte Nacht.

Stets eine Backstagsbrise 4 Bft. wünscht

Otto und Crew